Nicht alle Wege führen nach Rom – Wissenschaftsmanagement als Karriereoption, auch in den Kulturwissenschaften?

Informations- und Diskussionsveranstaltung auf Einladung des Verbunds Archäologie Rhein-Main (VARM)

14.07.2017

Die steigende Relevanz von Drittmittelprojekten, die (auch infolge der Bologna-Reform) stetig wachsende Bürokratisierung sowie der zunehmende Wettbewerbsdruck innerhalb und zwischen den Universitäten hat in den vergangenen Jahren das Thema Wissenschaftsmanagement an inner- wie an außeruniversitären Forschungseinrichtungen zunehmend an Relevanz gewinnen lassen. Doch dessen ungeachtet kommuniziert das akademische Umfeld dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine Karriereoption im Wissenschaftsmanagement oft immer noch als second best. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung ist der third space zwischen Verwaltung und Wissenschaft chronisch unterrepräsentiert. Dies hat zur Folge, dass die vielseitigen, häufig nicht eindeutig dem einen oder anderen Bereich zuzuordnenden Tätigkeitsfelder und die notwendigen Zugangsvoraussetzungen für potenzielle Interessentinnen und Interessenten nur schwer zu überschauen sind.

Dieses Defizit an Information, Differenzierung und Anerkennung war Anlass für eine im Juni 2017 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) durchgeführte Informations- und Diskussionsveranstaltung. Die Fokussierung auf Kulturwissenschaften trug dem Umstand Rechnung, dass das Studium der Kultur- und Geisteswissenschaften zwar ein breites, deutlich über die fachlichen Inhalte hinausreichendes Spektrum an Fähig- und Fertigkeiten vermittelt, den Absolventinnen und Absolventen jedoch die Karrierewege außerhalb der Wissenschaft häufig nur in Ansätzen bewusst sind. Ziel der Veranstaltung war es somit, nicht nur ein differenzierteres Bild des Wissenschaftsmanagements und dessen Zugangsmöglichkeiten zu skizzieren, sondern auch dem akademischen Nachwuchs eine Karriereoption mit Zukunftspotenzial vorzustellen. Dass es sich hierbei um ein echtes Desiderat handelt, bestätigte auch die hohe Teilnehmerzahl von 64 Anmeldungen von Bachelorabsolventinnen und -absolventen bis PostDocs, die aus unterschiedlichen Fächern, Einrichtungen und Städten nach Mainz kamen.

Die aus dem Verbund Archäologie Rhein-Main (VARM) heraus von Prof. Dr. Heide Frielinghaus organisierte und von der JGU sowohl finanziell als auch durch die Präsenz des Vizepräsidenten für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs, Prof. Dr. Stefan Müller-Stach, unterstützte Veranstaltung umfasste neben einem einführenden Referat der Organisatorin ein World Café und eine Podiumsdiskussion. Die einzelnen Abteilungen des World Café wurden von Profis geleitet, die in unterschiedlichen Bereichen des Wissenschaftsmanagements tätig sind, für eine Tätigkeit in diesem Berufsfeld ausbilden oder aber großen Bedarf an gut ausgebildeten Wissenschaftsmanagern haben. Die in enger Rückkoppelung mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern geführten thematischen Diskussionen machten die Komplexität des Themas deutlich. Sie betrafen die große Bandbreite an Tätigkeitsfeldern auf unterschiedlichen Ebenen ebenso wie die vielfältigen Aufgaben mit jeweils unterschiedlichen Anteilen, die Zugangsvoraussetzungen ebenso wie die verschiedenen Grade an Einflussmöglichkeiten.

In der anschließenden Podiumsdiskussion war man sich zum einen einig, dass für die Generierung wettbewerbsfähiger Wissenschaft dem Wissenschaftsmanagement eine immer größere Rolle zukommen wird und zum anderen, dass es sich bei Tätigkeiten im Bereich des Wissenschaftsmanagements um eine anspruchsvolle, herausfordernde und zukunftsträchtige Berufsoption handelt. Um entsprechende Stellen auch für exzellenten Nachwuchs attraktiv zu machen, gebe es aber noch Handlungsbedarf, beispielsweise in der Schaffung strukturierter Karrierewege, attraktiverer Bezahlung und der Stärkung von Professionalität und Renommee. Abschließend wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ebenso wie von den Organisatorinnen und Organisatoren angeregt, die sondierten Bedarfe in weiteren Veranstaltungen zu konkretisieren. Geplant sind ab 2018 jährlich stattfindende Workshops zu spezifischen Themenausschnitten, zum Beispiel Geschäftsführer im universitären Bereich, in wissenschaftsfördernden Institutionen oder in der Wissenschaftsadministration.